Quelle: Märkische Allgemeine, Dahme Kurier, 26.10.2005


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Einfachheit hat ein Potential Jana Buchholz ist Fotodesignerin – mit ihrer Arbeit möchte sie vor allem ihr Lebensgefühl ausdrücken



ANDREA MÜLLER

WILDAU Es gibt kein Atelier, keine Dunkelkammer, keine Lichtschirme, kein Equipment von Kameras, Stativen und Blitzlichtern. Dennoch ist Jana Buchholz Fotodesignerin. Mit der Kamera in der Hand verleiht sie ihrem Lebensgefühl Ausdruck. Sie geht durch eine Stadt und übersieht die schrillen Farben, die gleißenden Lichter, den Schrei des Alltags. Sie will sie nicht sehen, weil sie die einfachen Dinge entdecken möchte. „Meine Arbeiten sind sehr reduziert“, sagt sie. Sie seien schlicht, einfach und auf das konzentriert, was „Klang hat“. Schlichtheit hat für die 28-Jährige Potential, wenn man sich auf den Inhalt konzentriert.

Für einen Kalender fotografierte die junge Frau das Luft- und Raumfahrtzentrum in Wildau. Nicht auf einem der Bilder – alle wurden schwarz-weiß aufgenommen – ist das Gebäude in seiner Gesamtheit zu sehen. Dennoch ist das geübte und aufmerksame Auge der Fotografin auf jeder der Aufnahmen zu spüren. Ihr Blick auf die Dinge überrascht und lässt die Freude am Entdecken der schlichten Schönheit erkennen. So ist eine zwölfteilige Serie zu einem Gebäude entstanden, die den Blick des Betrachters weitet. Jana Buchholz nimmt ihn durch ihre Fotos mit auf eine Entdeckungsreise, die so ganz anders ist, als man es gewöhnt ist. So sind auch ganz andere Bilder während einer fünfmonatigen Tour durch Indien, Neuseeland und Australien entstanden. Wer hier Erinnerungsfotos erwartet, ist in der Sackgasse. Vor allem sind es die Strukturen in der Natur und an Gebäuden, die es Jana Buchholz angetan haben. Für ihre Abschlussarbeit an der Fotodesign-Schule fotografierte sie Menschen. Mit einer Großbildkamera (ebenfalls schwarz-weiß) hielt sie einen Bruchteil ihres Lebens in Porträts fest und fing doch die Seele dieser Leute ein. Die Fotos berühren auf eigene Weise. Doch muss man sich etwas Zeit nehmen, um sie auf sich wirken zu lassen.

Eigentlich war die junge Frau von Beruf Reiseverkehrskauffrau. „Ich habe gemerkt, dass das nichts für mich ist“, gesteht sie freimütig, obwohl sie als solche durch ein Programm von Bundestag und amerikanischem Kongress als junge Berufstätige ein Jahr lang in Amerika arbeiten durfte. Nach der Rückkehr setzte sich Jana Buchholz jedoch sehr schnell wieder auf die Schulbank. Drei Jahre besuchte sie in Berlin-Köpenick die Schule für Fotodesign. Jetzt wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit.

Mit dem Wort wagen meint sie nicht einmal den Mut, sich als Freiberuflerin zu versuchen. Vielmehr geht es ihr um den Mut, sich mit den eigenen Arbeiten in die Öffentlichkeit zu trauen. Was sie machen möchte sind eben keine Hochzeitsfotos. Ihre Arbeiten sind ihre ganz persönlichen Blicke auf die Welt. „Man gibt etwas von sich preis und muss mit der Reaktion der Leute rechnen“, sagt sie und wünscht sich natürlich, dass ihre Andersartigkeit gefällt ohne gefällig zu sein.

Gegenwärtig bereitet die junge Frau eine Ausstellung vor. Zeigen möchte sie die Arbeiten, die in Indien, Neuseeland und Australien entstanden sind. Irgendwann in naher Zukunft hofft sie, mit dem, was sie macht, auch Geld verdienen zu können. Auch das muss sein, obwohl sie in der Lage ist, auf vieles zu verzichten, um sich einen Traum erfüllen zu können.